Teleki Sámuel
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DIE TELEKI-BOLYAI BIBLIOTHEK

Eine der reichsten Sammlungsorte der europäischen Buchkultur der vergangenen Jahrhunderten in Siebenbürgen ist die Teleki-Bolyai Bibliothek aus Neumarkt am Mieresch (Rumänien). Mehr als zweihunderttausend Bänden von enzyklopädischen Wissen und bibliophilen Raritäten werden hier behütet. Den Buchbestand der Bibliothek bilden zwei grosse Büchersammlungen: die Teleki Bibliothek, mit mehr als 40 000 Bänden und die Bolyai Bibliothek, mit 80 000 Bänden. Die so genannte Mischsammlung beinhaltet die Bücher mehrerer ehemaligen Privatsammlungen, abgeschaffter konfessioneller Schulen und der Bibliotheksbruchstücken einer Franziskanerkloster – auf dieser Weise kann man in diesem Buchbestand fast alle Charekteristika der traditionellen siebenbürgischen Bibliotheken vorfinden.

Die Teleki Bibliothek wird 1802 als die erste öffentliche Bibliothek auf ungarischem Boden eröffnet und seitdem funktioneirt sie ununterbrochen.

Samuel von Teleki, der Gründer der Bibliothek (1739-1822) war einer der gebildetesten Bibliophilen seiner Zeit. Von Anfang an war es Telekis Vorbedacht, seine Sammlung als öffenliche Bibliothek zu gestallten, und so arbeitete er sein ganzes Leben lang neben seinen wichtigen öffentlichen Tätigkeiten – seit 1791 bis seinem Tod war er der Vizekanzler Siebenbürgens – an die Bereicherung der Bibliothek. Teleki pflegte eine ständige Beziehung mit den berühmten europäischen Druckereien und Herausgebern, und so gelang es ihm fast alle wichtigsten Werke von dem Anfang der Druckgeschichte bis zum ersten Teil des 19. Jahrhunderts zu erwerben.

Um die Leser leichter informieren zu können und um seine Sammlung für die wissenschaftliche Welt bekannt zu machen, liess Samuel von Teleki einen Bibliothekskatalog in vier Bänden (Wien, 1796-1819) zusammenstellen, ausdrucken und veröffentlichen. Das sachgemässe Verzeichnis wurde unter Beachtung von damaligen Normen der Bibliotheksorganisation zusammengestellt und nach Themenbereichen gegliedert. In dieser Arbeit veröffentlichte Teleki die Vorschriften der Benützung seiner Bibliothek.

Das Gebäude – wo auch in unseren Tagen die Bibliothek funktioniert – wurde im 17.-18. Jahrhundert im barocker Baustil gebaut. Neben dem Haus, das Teleki von der Wesselényi Familie geerbt hat, liess Samuel von Teleki zwischen 1799 und 1802 einen Gebäudefügel errichten, in dem man auch heute noch seine Bücher in der originellen Anordnung vorfinden kann.

So bekam Neumarkt am Mieresch mit sechs-siebentausend Bewohner eine gut ausgerüstete Bibliothek, die das europäische Wissen, die Gedanken der Aufklärung wiederspiegelte.

In seinem Testament hat Samuel von Teleki über das Schicksal der Bibliothek gesorgt: er hinterliess die Bibliothek als Fideikommiss seinen Nachkommen, wodurch diese verpflichtet waren die Bibliothek weiterzuführen. Gleichzeitig hat Samuel von Teleki das siebenbürgische Reformierte Hauptkonsistorium mit dem Aufsichtsrecht der Bibliothek beauftragt. Aber nach dem Tod des Gründers wurde das Wachstum des Buchbestands unregelmässig. Die Theka war mehr als ein Jahrhundertlang nur ein Buchmuseum oder ein Kuriosum; das regelmässige Aufdecken und Forschen seiner Schätze begann Ende des 19. Jahrhunderts. 1951 wurde die Theka verstaatlicht. 1955 zog die Grossbibliothek des Reformierten Kollegiums von Neumarkt am Mieresch (Bolyai Bibliothek) in das Gebäude der Theka ein, dann wurden die beiden Buchsammlungen 1962 unter dem Namen Teleki-Bolyai-Bibliothek vereint, die seit 1974 zu der Kreisbibliothek aus Neumarkt am Mieresch gehört.

Heute ist die Bibliothek eine wissenschaftliche Fachbibliothek und ihr Buchbestand wird immer bereichert. Die Sammlung dieser Bibliothek umfasst haptsächlich das Gebiet der Geschichte, Ortsgeschichte, Kulturgeschichte und der Gesellschaftswissenschaften. Jährlich arbeiten hier durchschnittlich 250-300 Leser und Forscher und mehr als tausend Touristen besucht die Bibliothek.